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Zwietracht im jungen Staat

Jérôme Tubiana, Welt-Sichten  |   2 Mar 2015

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PHOTO: Jérôme Tubiana / Crisis Group

Die Frontlinie des Krieges zwischen der südsudanesischen Regierung und ihren Gegnern ist im Bundesstaat Unity schwer auszumachen. In vielen Kriegen in Afrika bilden Truppen oft keine feste Verteidigungslinie, sondern bewegen sich vor und zurück auf der Suche nach Beute. Auf der Schotterstraße in Richtung Guit, einem Dorf knapp 25 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Bentiu, sieht es trotzdem aus wie an einer Kriegsfront.

Als wir uns dem Dorf nähern, sehen wir einen ausgebrannten Panzer. Truppen der Opposition hatten ihn während eines Angriffs der Regierungstruppen im Mai erbeutet, konnten ihn aber selbst nicht nutzen. Damit die Regierungssoldaten ihn nicht zurückbekämen, haben sie ihn angezündet. Als wir uns das Wrack genauer ansehen, tauchen rund 30 Uniformierte aus dem Dickicht neben der Straße auf. Sie kommen auf uns zu, Sturmgewehre auf dem Rücken. Wir sind nicht sicher, auf welcher Seite sie kämpfen. 

Im Juni 2014 bin ich mit zwei Oppositionssoldaten und zwei Forschern hierher nach Unity gereist, um zu verstehen, warum in der Region erneut Krieg herrscht. Wir hatten den Bürgerkrieg im Sudan verfolgt, der 2005 endete und zur Teilung des Landes im Jahr 2011 führte. Dann brach kurz vor Weihnachten 2013 im neuen Staat Südsudan der gegenwärtige Krieg aus. Er begann mit Kämpfen innerhalb der Präsidentschaftsgarde: Soldaten von der Volksgruppe der Dinka, die loyal zu Präsident Salva Kiir standen, versuchten ihre Kollegen vom Volk der Nuer zu entwaffnen. Sie warfen ihnen vor, einen Putsch im Namen des ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar zu planen. Machar gehört zu den Nuer und war von Präsident Salva Kiir, einem Dinka, ein paar Monate zuvor entlassen worden.

Seitdem sind mehrere Waffenstillstände und Friedensverträge ausgehandelt worden, die alle sofort gebrochen wurden. Es scheint, dass die Führer Einfluss auf ihre Truppen verloren haben und diese beschlossen, weiter zu kämpfen. Auch die jüngste Vereinbarung droht zu scheitern. Die verfeindeten Führer haben sie im Februar in Äthiopien unterzeichnet und zugestimmt, sich die Macht zu teilen: Kiir soll Präsident bleiben und Machar erneut als Vize eingesetzt werden. Dabei herrschen zwischen beiden weiter schwere Differenzen und ebenso zwischen ihnen und Mitgliedern der Regionalorganisation IGAD, die den Waffenstillstand überwacht hatte.

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